Offener Brief der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (LAGFA) Sachsen-Anhalt mit Erstunterzeichnenden zu den Perspektiven des Freiwilligendienstes aller Generationen (FDaG).

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Kristina Schröder, sehr geehrter Herr Staatssekretär Herrmann Kues, sehr geehrter Herr Hackler,

mit großer Enttäuschung haben wir die Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 16.03.2011, die Aussagen der Bundesvertreter innerhalb des Strategiegesprächs „Freiwilligendienste aller Generationen“ am 31.03.2011 in Bonn sowie die Pressemitteilung der Bundesregierung am 05.04.2011 zur Kenntnis genommen. Darin wird unter Verweis auf die Freiwilligendienste aller Generationen lapidar festgestellt, dass am 31. Dezember 2011 der FDaG nach Auskunft der Regierung planmäßig ausläuft.

Seine Strukturen sollen anschließend in das Folgeprogramm „Mehrgenerationenhäuser“ überführt werden.

Diese ernüchternden Aussagen stellen keine Perspektive für die „Freiwilligendienste aller Generationen“ dar. Der Freiwilligendienst aller Generationen wird der „Projektitis“ des Bundes zum Opfer fallen, wenn keine gemeinsame Strategie von Bund, Ländern und Kommunen zur Verstetigung dieses Freiwilligendienstes entwickelt wird. Die auf Anregung der Bundesregierung neu entwickelte Engagementform sowie die geschaffenen Beratungs- und Qualifizierungsstrukturen sind mit Auslaufen des Bundesprogramms in ihrer Existenz gefährdet.

Die Erfahrungen aus dem Freiwilligendienst aller Generationen zeigen, dass der FDaG ein attraktives Angebot für Menschen verschiedener Altersgruppen und Lebensphasen ist, die ein intensives Engagement in geregelter Dienstform, aber unterhalb eines Vollzeitfreiwilligendienstes suchen. Bundesweit engagieren sich seit Einführung vor zwei Jahren inzwischen über 5000 Menschen in einem Freiwilligendienst aller Generationen, in Sachsen-Anhalt sind es bislang bereits mehr als 350 und es werden täglich mehr.

Die wissenschaftliche Begleitung kommt zu dem Ergebnis, dass 44 Prozent der Engagierten im Freiwilligendienst aller Generationen vorher noch nicht ehrenamtlich tätig waren. Mit dem neuen Dienstprofil werden neue Freiwillige gewonnen, neue Einsatzfelder (wie Paten- oder Mentorenprogramme erschlossen) und neue Freiwilligenprojekte aufgebaut.

Bei der Etablierung des Dienstes stellen die im Bundesprogramm enthaltenen mobilen Beratungs- und Qualifizierungsangebote eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung und nachhaltige Verankerung des Freiwilligendienstes dar. Über die Mobilen Teams konnte eine gut funktionierende, flächendeckende mobile Beratungsstruktur aufgebaut werden, über die insbesondere Kommunen, regionale Einrichtungen und lokale Organisationen erreicht wurden, die bisher über wenig Erfahrungen im Bereich der Engagementförderung verfügten. Dort gelang es neue, wirksame engagementfördernde Strukturen aufzubauen.

Diese Erfolge dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Dienst noch nicht nachhaltig etabliert und verankert ist. Die über den Freiwilligendienst aller Generationen aufgebauten Strukturen basieren auf der bisherigen Beratungs- und Begleitarbeit der Mobilen Teams, den Qualifizierungsangeboten und der gemeinsamen Förderung durch Bund und Land. Eine alleinige Anbindung des FDaG an das Folgeprogramm „Mehrgenerationenhäuser", die nicht aufsuchend arbeiten und nicht in der Fläche wirken, sondern Angebote meist stadtteilorientiert zentralisieren, würde die im Aufbau befindlichen dezentralen Engagementstrukturen gefährden und die entwickelten Kompetenzen und das Know How bisheriger FDaG-Träger und Einsatzstellen zunichte machen.

In Sachsen-Anhalt sind davon mehr als 20 Organisationen betroffen, die mit über 200 verschiedenen Einsatzstellen das Gemeinwesen stärken und gezielt demografischen Problemlagen entgegenwirken. Mehrgenerationenhäuser haben sich bisher in manchen Orten als Einsatzstelle bewährt, wirken aber in der Regel nicht über ihren sozialen Nahraum hinaus in andere Einrichtungen und oder Bereiche.

Die aktuellen Entwicklungen sind umso bedauerlicher, da noch im September 2010 durch Ihr Haus in Aussicht gestellt wurde, dass der Bund auch nach 2011 Bildungs- und Qualifizierungsmittel für den FDaG zur Verfügung stellen wird und die aufgebauten Strukturen nachhaltig gesichert werden sollen.

Als Träger der Mobilen Teams und der Qualifizierungsangebote, die seit mehr als zwei Jahren mit der Etablierung des Freiwilligendienstes aller Generationen befasst sind, appellieren wir gemeinsam mit den Trägern und Einsatzstellen von Freiwilligendiensten aller Generationen an Sie, zusammen mit den Ländern und Kommunen an einer Verstetigungsperspektive für den von Ihrem Haus eingeführten und gesetzlich verankerten Freiwilligendienst aller Generationen zu arbeiten und sich dafür einzusetzen, dass auch weiterhin in Kooperation mit den Ländern Mittel zur Beratung und Qualifizierung zur Verfügung gestellt werden, um den FDaG als Teil einer wirksamen Bundesstrategie zur Engagementförderung zu stärken.



Erstunterzeichner:

  • LAGFA Sachsen-Anhalt e.V. - Mobiles Kompetenzteam + Qualifizierungsträger Sachsen-Anhalt Trägerorganisationen des Freiwilligendienstes aller Generationen in Sachsen-Anhalt
  • Gundel Berger, Referatsleiterin Koordinierungsstelle Bürgerschaftliches Engagement im
  • Ministerium für Gesundheit und Soziales Sachsen-Anhalt
  • Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V.
  • Freiwilligenagentur Magdeburg e.V.
  • mobiles Team Niedersachsen
  • Mobiles Kompetenzteam Hessen
  • Mobiles Team Bayern
  • Heike Baier, Lothar Hoffmann (Mobiles Team Rheinland-Pfalz)
  • Helga Bomplitz (Projekt- und Qualifizierungsträger im FDaG in Mecklenburg-Vorpommern)- Landesring M/V des Deutschen Seniorenringes e.V.
  • Brigitta Müller-Brandeck, Geschäftsführerin der PARITÄTISCHEN Freiwilligendienste
  • Sachsen gGmbH, Träger der Mobilen Teams für die Freiwilligendienste aller Generationen Sachsen.
  • Mobile Teams Thüringen
  • Der PARITÄTISCHE Thüringen als Qualifizierungsträger und Koordinator der Mobilen
  • Teams
  • Thüringer Ehrenamtsstiftung
  • Freiwilligenakademie Niedersachsen
  • Qualifizierungsträger Bayern (Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern)
  • Freiwilligenagentur Ingolstadt als FDaG-Träger in Ingolstadt
  • Mehrgenerationenhaus Mütterzentrum Känguruh e.V., Bamberg
  • Gemeinsam leben & lernen in Europa e.V. Passau (FDaG-Träger)
  • Landesverband Mütter- und Familienzentren in Bayern e.V.
  • Freiwilligenagentur SonnenZeit Ansbach

Weitere Unterzeichner_innen:

  • pa©kt’s an e.V. (FDaG-Träger Sachsen-Anhalt)
  • Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) AG Anhalt-Wittenberg e.V. (FDaG-Träger Sachsen-Anhalt)
  • BIS e.V. Stendal (FDaG-Träger Sachsen-Anhalt)
  • FWA MehrWERT (FDaG-Träger Sachsen-Anhalt)
  • MGH Merseburg/ Verein Vorruhestand der Chemieregion e.V. (FDaG-Träger Sachsen-Anhalt)
  • „Lernen wie die Beginen“ - Leuchtturmprojekt Rheinland Pfalz

 

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